Deutschland für Historiker

Deutschland für Historiker


Im Jahr 2011 haben Falk Bretschneider (CRIA/EHESS) und Mareike König (IHAP) unter dem Titel „Faire de l’histoire en Allemagne“ einen Leitfaden für französischsprechende Historiker, die in Deutschland forschen möchten, herausgegeben. Er erschien auf der Webseite perspectivia.net, einer digitalen Plattform deutscher Forschungsinstitute im Ausland für den Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften (http://www.perspectivia.net/content/publikationen/scholar-guide/histoire-en-allemagne). In 13 Artikeln versammeln Bretschneider und König auf insgesamt rund 300 Seiten Tipps und Informationen rund um Institutionen und Finanzierungshilfen, Archive und andere Dokumentationszentren, Mitarbeiter, Strukturen und Praktiken der deutschen Forschungslandschaft. All dies wird aus dem Blickwinkel französischer Forscher betrachtet, die in Deutschland Kontakte knüpfen, in Archiven und Bibliotheken recherchieren, studieren, veröffentlichen und Karriere machen möchten. Beinahe wie in einem „ethnographischen“ Werk werden französischsprachigen Wissenschaftlern die Besonderheiten, Gewohnheiten und das teils fremde Verhalten deutscher Historiker erläutert. Dazu zählen z.B. folgende Punkte:

-Die wissenschaftliche und akademische Kompetenz ist von Bundesland zu Bundesland anders begründet.

-Die Veröffentlichung der Doktorarbeit ist obligatorisch, um den Doktortitel als Bestandteil des Namens führen zu dürfen.

-Institute und außeruniversitäre Stiftungen nehmen einen zentralen Platz nicht nur bei der Finanzierung von Forschungsprojekten, sondern auch bei der Karriereförderung ein.

-  Die Anordnung innerhalb von Archiven variiert von Stadt zu Stadt bzw. von Bundesland zu Bundesland.

-Die Studiengänge sind noch längst nicht immer am sogenannten „Bologna-Prozess“ ausgerichtet (Bachelor nach 6, Master oder Magister nach insgesamt 10, Promotion nach insgesamt 16 Semestern).

-   Die Unterteilung in geschichtswissenschaftliche Zeitperioden und die Interdisziplinarität folgen anderen Grenzen.

-   Die wissenschaftliche Sprache geschichtlicher Studien unterliegt eigenen Normen und Gesetzen.

Der Erfolg und die Verwendbarkeit dieses Ratgebers haben dazu geführt, dass Falk Bretschneider (CRIA/EHESS), Mareike König (IHAP) und Pierre Monnet (EHESS/IFHA) 2013 das Pendant „Frankreich für Historiker“ herausgeben.