Das Anthropos-Projekt

Das Anthropos-Projekt

Das Anthropos-Projekt, finanziert von der Agence Nationale de la Recherche (ANR) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), wurde vom deutsch-französischen Institut für Geschichts- und Sozialwissenschaft, dem Centre Georg Simmel  der École des Hautes Études en Sciences Sociales (http://centregeorgsimmel.ehess.fr/) und dem Frobenius-Institut der Universität Frankfurt (http://frobenius-institut.de/) entwickelt. Zunächst trug das Projekt den Namen des deutschen Ethnologen Frobenius, dessen bedeutende Sammlungen Eigentum der Universität Frankfurt sind. Dank der Unterstützung der Deutsch-Französischen Hochschule konnte 2013 das Programm mit einem Kolloquium über den Begriff und die Praktiken des Terrains in Gang gesetzt werden. Im Jahr 2014 baute das Projekt, das weiterhin den gleichen Namen trug und an dieselbigen Institutionen angegliedert war, ein Networking zwischen jungen Forschern auf und erreichte somit eine Erweiterung des Veranstaltungsprogramms.

 Im Oktober 2014 wurde das Projekt „Histoire croisée“ der Ethnologie in Deutschland und Frankreich im frühen 20. Jahrhundert von der ANR und der DFG ausgewählt. Seitdem befindet sich der Sitz im  deutsch-französischen Institut für Geschichts- und Sozialwissenschaften (IFRA) und die Ziele des Projekts werden durch eine Reihe von Kolloquium und Ausstellungen konkretisiert (das Programm ist online zugänglich: https://anthropos.hypotheses.org/). 

 

 Die Leitung des Anthropos-Projektes üben zum einen Jean-Louis Georget, Beauftragter der Agence Nationale de la Recherche und Bérénice Zunino, Postdoktorandin am Centre Georg Simmel und zugleich am IFRA und zum anderen Richard Kuba, Beauftragter der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Hélène Ivanoff, Postdoktorandin am Frobenius-Institut, aus. Die nächstfolgenden Veranstaltungen sind die Ausstellung der Frobenius-Sammlung im Martin Gropius-Bau in Berlin vom 21. Januar bis zum 16. Mai 2016 und das Kolloquium „Höhlen: Paläontologie, Philologie und Anthropologie (1800-2015)“, organisiert in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (Marcel Lepper) und dem Marc Bloch Zentrum (Markus Messling), vom 3. bis 5. März 2016 in Berlin.

 

 Neben dem Forschungsprogramm gibt das Projekt Anlass zu einem Forschungsseminar, welches an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris (http://www.ehess.fr/fr/enseignement/enseignements/2015/ue/883/) stattfindet und sich auf den deutsch-französischen Master für Ethnologie bezieht. Das Seminar wird unterstützt von der Deutsch-Französischen-Universität (siehe Plakat im Anhang).

 

Die Forscher des ANR-DFG-Projekts Anthropos am IFRA:

Jean-Louis Georget, Leiter des Projekts an der französischen ANR, befasst sich mit der Geschichte der Volkskunde und der Völkerkunde.

Zu seinen Publikationen zählt er u.a.:

«L’Allemagne à l’épreuve de la Volkskunde », in : Lendemains 125, 2007, Tübingen : Günter Narr Verlag, pp. 33-40 et 64-76.

« Pour une autre histoire de la Volkskunde. Contradictions et ruptures dans la narration disciplinaire », in : Bulletin de l’Institut français d’histoire en Allemagne, n° 1, 2009, Francfort-sur-le-Main, pp. 235-254.

« Le concept de Kultur en Allemagne: de la liberté de l'homme a la biologisation du concept. = Koncept Kultúry v Nemecku: od ľudskej slobody k biologizácii konceptu » in : Political and Cultural Transfers between France, Germany and Central Europe (1840-1945): the case of Slovakia, dir. par Jean-Louis Georget / Bohumila Ferenčuhová, Bratislava : Veda vydavateľstvo SAV, 2010, pp. 24-40 (französische Fassung), pp. 41-55 (slowakische Fassung).

 

Elise Pape, Post-Doktorandin

Meine aktuellen Forschungsprojekte schreiben sich in eine größere Forschung ein zum Thema „Postkoloniale Erinnerungen im Dialog – Eine gekreuzte Perspektive zwischen Kamerun, Deutschland und Frankreich“, die ich seit 2012 an der EHESS in Paris, der Universität Straßburg, der Goethe-Universität Frankfurt a.M. und an der Universität Yaoundé I durchführe.

Kamerun, das von 1884 bis 1916 durch Deutschland und von 1916 bis 1960 durch Frankreich und Großbritannien kolonialisiert wurde, bildet einen Raum, in dem europäische Staaten nicht nur miteinander rivalisierten, sondern auch in dem das heutige Europa Gestalt annahm. Während bisherige empirische Forschungen zur Kolonialzeit ehemalige „kolonialisierte“ und „kolonialisierende“ Staaten meistens getrennt voneinander untersucht haben, interessiert sich dieses Projekt für die Verwobenheit von Erinnerungen in einem postkolonialen Raum. Es analysiert Transmissionsprozesse in Bezug auf die koloniale Vergangenheit über mehrere Generationen in kamerunischen, aber auch in deutschen und französischen Familien, deren Vorfahren sich während der Kolonialzeit in Kamerun aufhielten.    

Im Rahmen des ANR-DFG Projekts „Anthropos“ führe ich derzeit zwei Studien durch, die sich mit der historischen Entwicklung der Ethnologie befassen:

  • „Postkoloniale Debatten um ethnographische Objekte im Humboldt-Forum in Berlin – Eine gekreuzte Analyse“
  • „Zwangssterilisierungen von BürgerInnen afrikanischer Herkunft in Deutschland im Dritten Reich – Heutige Erinnerungsspuren und die Involvierung von Anthropologen und Ärzten“