Aurore Peyroles

Post-Doktorandin

Seit Oktober 2016 beim IFRA/SHS ist Aurore Peyroles Doktorin der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Nachdem sie im deutsch-französischen Gymnasium absolviert hat, hat sie moderne Literatur in der École Normale Supérieure von Lyon studiert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin hat sie mehrere Seminare im Institut für romanische Sprachen und Literaturen von der Goethe Universität in Frankfurt am Main gehalten. Sie ist auch als Übersetzerin tätig. Sie hat 2013 promoviert. Unter der Leitung von Frau Dr. Prof. Anne Tomiche war ihre Doktorarbeit dem engagierten Roman der 1930ger Jahre in Frankreich, in Deutschland und in den Vereinigten Staaten gewidmet. Die wurde als Buch veröffentlicht: Roman et engagement. Le laboratoire des années 1930 (Classiques Garnier, 2016).

 

Forschung

Aurore Peyroles hat in ihrer Forschung die Beziehungen zwischen Roman und Politik untersucht – die auf keinen Fall auf eine Unterordnung beschränkt sein sollen. Die politische Ambition kann ein Anlass zu einer besonderen literarischen Praxis darstellen: dichten wird zum Handeln.

In ihrer Arbeit spielt die komparatistische Perspektive eine wesentliche Rolle: sie ermöglicht nicht nur, ein Thema aus einer übernationalen Perspektive anzusprechen, sondern beweist auch, dass es außerordentlich nutzbringend ist, die Literaturwissenschaft in ein Gespräch mit anderen Geist- und Sozialwissenschaften zu bringen. Dieses bedeutet nicht einfach, dass die Literatur als Dokument, als Beispiel oder als Veranschaulichung betrachtet sein kann oder dass sie eine Widerspiegelung der sozialen Verhältnisse oder des Wandels in der Geschichte ist: Es bedeutet, dass die Literatur die Wandeln und die sozialen Umstände zur Sprache bringt; sie wirkt mit. Sie prägt unsere Vorstellungen, die von der Vergangenheit und von der Gegenwart, ein.

Ihr aktuelles Forschungsthema betrifft die Darstellung der „Banlieue“ in den zwischen 1850 und 1950 geschriebenen Romanen.Dieses Begriff, das oft mit Stigmatisierung synonym ist, kehrt immer wieder in den französischen politischen Debatten und Nachrichten zurück. Die Literatur der Banlieue vor den großen internationalen Migrationen der 1960ger bildet aber fast eine terra incognita. Dieses Forschungsprojekt versteht sich also wie eine Art von Archäologie der Darstellung von einer Welt, die fast verschwunden ist, die von der „banlieue populaire“ der 19. und 20. Jahrhundert. Der Roman hat diese neue Form der Urbanität widergespiegelt, indem er die Banlieue als „décor“ gewählt hat. Er hat die dort beherrschenden neuen sozialen Bedingungen beschrieben – nicht nur die Armut, sondern das Pendelverkehr, das Traum des „Pavillons“, das Leben dieser zahlreichen Angestellten, die während dieser Zeit erschienen sind. Die Unbestimmtheit dieses Raums, der zwischen der Stadt und dem Land liegt, der entweder Stadt noch Land ist, hat aber auch die Projektion von Phantasmagorien ermöglicht. Die Romane haben dazu beigetragen, die Banlieue als ein stereotypierter Raum zu betrachten und sind ein Bestandteil der Darstellungen, die wir heute noch mit den Vorstädten verbinden. Welches Bild von der Banlieue hat der Roman geprägt?  Aber auch:Wie hat die Banlieue den Roman geprägt? Die Darstellung der Banlieue stellt dem Genre einer gewissen Herausforderung: Wie kann er diesen Raum am Rand beschreiben? Welche Sprache kann von den neuen Realitäten zeugen? Bemerkenswert ist auch die Kongruenz zwischen dem Erscheinen des Roman noir und des Krimis und der Ausbreitung der Vorstädte – als ob die Banlieue mit dem Mord und der Untersuchung verbunden wäre. Der Roman prägt ein Bild von der Banlieue, aber er wird auch von ihr und ihren Realitäten gegenseitig geprägt. Die Vorstädte bilden nämlich einen besonderen Raum, einen Zwischenbereich, der die Stadt aber auch die sozialen Verhältnisse neu definiert. Um alle Potenziale dieses Motivs der Banlieue erscheint die vergleichende Perspektive immer noch nötig. Die deutschen Peripherien sind die französischen Banlieues nicht: Die Stadtgeographien aber auch die Bilder sind teilweise anders. Das Imaginär der Schrebergärten drängt vielleicht die Elendsbehausung in den Hintergrund und der grüne Rahmen ist nicht so zu Morden geeignet wie die grauen Vorstädte. Der Vergleich zwischen der deutschen und der französischen Banlieue soll dazu beitragen, eine konstratierte Analyse des Motivs zu führen.

 

Veröffentlichungen

 

Buch

Roman et engagement : le laboratoire des années 1930, Paris, Classiques Garnier, 2015.

 

Aufsätze

  • Notices « Les Communistes » et « Walter Benjamin » pour le Dictionnaire Aragon, Paris, Honoré Champion, à paraître.
  • « D’une guerre à l’autre : la Première Guerre mondiale à la veille de la Seconde, ou la leçon de contre-histoire du roman engagé des années 1930 », En jeu. Histoire et mémoires vivantes. Revue de la Fondation pour la mémoire de la Déportation n°3, juin 2014.
  • « Écrire pour convaincre : USA de Dos Passos, Les Communistes d’Aragon », Revue de Littérature comparée n°2/2011, Éditions Klincksieck.
  •  « USA de Dos Passos : démystification et refondation du rêve politique américain », Raison publique n°12, Presses de l’Université Paris Sorbonne, 2010.
  • « Les Communistes d’Aragon : roman de guerre, roman en guerre », http://www.louisaragon-elsatriolet.com/ (ERITA), 2 juillet 2010.
  • « La révolution allemande n’aura pas lieu. November 1918 de Döblin, ou la démystification de l’événement », revue en ligne Trans- n°10, juillet 2010, http://trans.revues.org/368.
  • « Les USA selon Dos Passos : impossible collectivité, inévitable uniformité », La Sœur de l’Ange n°10, Éditions Hermann, 2011.
  • « “Bonnes” et “mauvaises” histoires : Les Communistes ou la “contre- scénarisation” faite roman », Recherches croisées Elsa Triolet / Aragon n°13, Presses Universitaires de Strasbourg, 2011.

 

Contributions à des actes de colloque

  • « “Mentir-vrai“ contre “mentir faux” : le combat avant-gardiste du roman engagé des années 1930, ou de la pertinence réciproque de l’anachronisme critique », Fiction littéraire contre storytelling, Comparatismes en Sorbonne,  7-2016.

http://www.crlc.paris-sorbonne.fr/pdf_revue/revue7/3_A_Peyroles.pdf

  • « De l’impératif politique de l’interprétation : exercices pratiques de l’engagement littéraire dans USA de Dos Passos et Les Communistes d’Aragon », L’Herméneutique fictionnalisée - Quand l’interprétation s’invite dans la fiction, sous la direction de Nicolas Corréard, de Vincent Ferré et d’Anne Teulade, Paris, Classiques Garnier, 2015.
  • « Roman-fleuve et engagement : Les Communistes d’Aragon, ou les méandres de l’engagement romanesque », Les Cahiers de l’AIEF n°66, mai 2014.
  • « L’expérience de lecture de U.S.A. : de la brutalité des faits à l’enquête politique, ou comment constituer un public américain », L’Expérience II, sous la direction de Laure de Nervaux-Gavoty, Paris, Michel Houdiard Éditeur, 2013.
  • « La révolution allemande selon Döblin ou l’écriture mineure comme deuil du politique », La notion de “mineur” entre littérature, arts et politique, sous la direction de Béatrice Rodriguez et de Caroline Zekri, Paris, Michel Houdiard Éditeur, 2012.
  • « Les Communistes d’Aragon ou l’invention d’un roman à thèse lisible », Roman & Politique. Que peut la littérature ?, sous la direction d’Isabelle Durand-Le Guern et de Iona Galleron, Rennes, Presses universitaires de Rennes, coll. « Interférences », 2011.

 

 

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