Audrey Dauchy

Doktorandin

Audrey Dauchy, Jahrgang 1983, hat Geschichte an der Universität Paris-Sorbonne Paris 4, Jura mit dem Schwerpunkt Privatrecht an der Universität Panthéon-Sorbonne Paris 1, Notariatsrecht an der Universität Rouen und Rechtsgeschichte an der Universität Panthéon-Assas Paris II studiert. Sie ist Inhaberin des französischen Notardiploms (DSN). Derzeit schreibt sie an ihrer Dissertation in Rechtsgeschichte über die locatio conductio im gemeinen Recht und in der Praxis vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Betreut wird die Doktorarbeit durch Professor Laurent Pfister (Universität Panthéon-Assas Paris II) und Professor David von Mayenburg (Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main). Audrey Dauchy war Lehrbeauftragte, hat ein Forschungsstipendium des DAAD erhalten, und ist seit September 2015 Stipendiatin des IFRA. Zugleich setzt sie seit Oktober 2014 auch ihre Arbeiten am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main fort.

 

Dissertationsprojekt 

Die locatio conductio umfasst verschiedene Facetten, die progressiv vom 12. bis zum 16. Jh. in der Literatur des ius commune und des juristischen Humanismus identifiziert wurden. Die Terminologie, die den Mietvertrag (locatio conductio rei), den Dienstvertrag (locatio conductio operarum) und den Werkvertrag (locatio conductio operis) unterscheidet, wird nur Anfang des 18. Jh. festgesetzt. Im 19 Jh. stellen die Pandektisten die These auf, dass der Vertrag aus drei verschiedenen Arten besteht. Obwohl man sich davor hüten muss, diese Kategorisierung auf die Denkweise der Juristen des Mittelalters und der frühen Neuzeit anzuwenden, beginnen einige Juristen der Glossatorenschule im 12. Jh. eine Teilung des Vertrages mittels Definitionen vorzunehmen, was der justinianischen Kompilation des römischen Rechts fremd ist. Diese Autoren äußern folglich einen Unterschied zwischen einer Sache und eines Dienstes. Die Teilung zwischen der Vermietung einer Sache oder einer Person führt auch zu der Frage nach dem Grad der Trennung zwischen der Sache und der Person und nach der Gleichsetzung der Person und der Dienste, die sie leistet. Das Schema des Werkvertrages erscheint in einigen Quellen als Ergänzung dieser zweiteiligen Definition, wodurch die Durchführung eines Werkes von einem Unternehmer einen besonderen Platz zugewiesen wird. Die Dauer der Verpflichtung, im Zusammenhang mit der Eigenschaft der vertragsschließenden Parteien, und die Leistungsstörungen sind Diskussionsgegenstand der Berichte der Quellen. Die Frage zur Freiheit des Menschen, der seine Dienste auf ewig vermietet, kommt nachdrücklich immer wieder zu Sprache. Die Analyse der Texte von den Glossatoren, Kommentatoren, Kanonisten, französischen und deutschen Humanisten ermöglicht es, die Entwicklung der Doktrin über die Teilung des Vertrages wahrzunehmen und seine Rechtsordnung aufzustellen. Die questiones, d.h. Fragen, die im Rahmen einer Universitätslehre erörtert werden und die eventuell von wahren Rechtsstreiten inspiriert sind, und die consilia, d.h. Beratungen von Doktoren, legen die Analyse der Doktrin bezüglich praktischer Probleme dar. Der Gebrauch von französischen und deutschen Rechtsbüchern und von Quellen des Notariats hinsichtlich der Doktrin ist schließlich notwendig, um die Theorie des Vertrages in praktischer Hinsicht zu verstehen.            

                                                                          

 Vorträge

-« Dienstvertrag und Werkvertrag in der juristischen Doktrin vom 12. bis zum 15. Jh. », gemeinsames Doktorandenseminar (Luzern- Frankfurt/M), Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main, 11. November 2016.

-„La spécificité de la relation établie en droit canonique médiéval entre la notion d’avidité et le contrat de location“, XV International Congress of Medieval Canon Law, Paris, 18. Juli 2016.

-„Die locatio conductio in der Doktrin und in der Praxis vom 12. bis zum 16. Jahrhundert“, Seminar des Instituts für Rechtsgeschichte, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main, 16. Dezember 2015.

-„The Legal Doctrine of locatio conductio and its Practice (12th-16th Century)“, Jour Fixe am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt am Main, 27. April 2015.

-„The division of lease contract by Glossators“, Tagung Commons LawsXXth Annual Forum of Young Legal Historians, Universität von Cambridge, 5. April 2014. 

 

Publikation

Beitrag :

 „Réflexions sur les partitions du contrat de location dans les productions des glossateursCadernos do Programa de Pós-Graduação em Direito – PPGDir./UFRGS, v. 10, n. 3 (2015), p. 65-89. Online : <http://seer.ufrgs.br/index.php/ppgdir/article/view/58955>.

 Rezensionen :

« David Kästle-Lamparter, Welt der Kommentare. Struktur, Funktion und Stellenwert juristischer Kommentare in Geschichte und Gegenwart », Revue de l'IFHA [Online],  | 2017, Online erschienen am: 01 Februar 2017. URL : http://ifha.revues.org/8570

« Christian Starck, Woher kommt das Recht? », Revue de l'IFHA [Online],  | 2017, Online erschienen am: 01 Februar 2017. URL : http://ifha.revues.org/8575

 Übersetzung (deutsch-französisch):

Andreas Willershausen, « Michael Basse, Entmachtung und Selbstzerstörung des Papsttums (1302–1414) », Revue de l'IFHA [Online], Online erschienen am: 01 Februar 2016. URL : http://ifha.revues.org/8413

 

Organisation einer wissenschaftlichen Veranstaltung

Mitorganisatorin des deutsch-französischen Nachwuchsworkshops IFRA/SHS – MPIeR :   „Travail et famille dans une société d’ordres. Dialogue interculturel dans une perspective interdisciplinaire. Arbeit und Familie in der ständischen Gesellschaft. Interdisziplinäre Perspektiven im interkulturell Dialog“, (Max-Planck Institut für europäische Rechtsgeschichte, 8. und 9.  Juni 2017).

Diese Veranstaltung wird von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) gefördert.

 

 

 

 

Email: 
audrey.dauchy@institutfrancais.de