Constanze Buyken

Doktorandin

Constanze Buyken hat von 2009 bis 2014 an der Ruhr-Universität Bochum und an der Université François Rabelais Tours studiert. 2012 absolvierte sie dort zunächst ihren Zwei-Fach-Bachelor Geschichte/Romanische Philologie Französisch sowie ihre Licence d‘Histoire und erhielt 2014 die Doppeldiplome des Master of Arts/Master recherche der beiden Universitäten in Geschichte sowie im interdisziplinären Studiengang „Diskurse und Praktiken kultureller Vermittlung“. Während ihres Studiums war sie Stipendiatin des Bildungsfonds der Ruhr-Universität Bochum (Deutschlandstipendium) und der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH). Von Oktober 2014 bis September 2017 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut Paris und Mitglied der dortigen Forschungsgruppe „Spiele und Wettkämpfe in der mittelalterlichen Soziabilität“. Seit Oktober 2017 ist sie Stipendiatin des IFRA/SHS in Frankfurt.

Constanze Buyken promoviert an der Universität Heidelberg und an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) Paris, wo ihre Dissertation als Cotutelle de thèse von Prof. Dr. Nikolas Jaspert und Prof. Dr. Pierre Monnet betreut wird. Sie ist Mitglied des DFH-geförderten deutsch-französischen Doktorandenkollegs der Universität Heidelberg und der EHESS. Ihre Dissertation zum Thema „Inszenierung von Geschlechterordnungen im Turnier. Repräsentationen, Ideale und kulturelle Praxis zwischen Genderkonformität und Gendernonkonformität“, begreift sich als kultur- und geschlechterhistorische Studie zu ritterlichen Kampfspielen im ausgehenden Mittelalter, die das performative Potential von Geschlecht in der Spiel-, Wettkampf- und Festkultur höfischer und städtischer Kontexte im 14. und 15. Jahrhundert zu erörtern sucht.

Neben ihrem Forschungsschwerpunkt im Bereich der Kultur- und Geschlechtergeschichte des europäischen Spätmittelalters interessiert sich Constanze Buyken für die Kommunikations- und Kontakträume politischer und diplomatischer Verflechtungen des Hochmittelalters.

 

Dissertationsprojekt

Ziel des Dissertationsprojekts von Constanze Buyken ist eine Neubewertung des spätmittelalterlichen Turniers des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich, Burgund und Gebieten des Reichs in einer kultur- und geschlechterhistorischen Perspektive. Kampfspiele waren im ausgehenden Mittelalter integraler und omnipräsenter Bestandteil der Festkultur und zentraler Ort höfischer und urbaner Soziabilität: Sie waren Teil höfischer und städtischer Feste, hatten ihren Platz auf Reichs- und Hoftagen, begleiteten Festlichkeiten zu Hochzeiten, fürstlichen Geburten und Ritterschlagszeremonien, oder konnten selbst Anlass für mehrtägige Festlichkeiten sein. In der Dissertation wird argumentiert, dass das Turnier Raum für politische und diplomatische Zusammentreffen, Allianzenbildung sowie gesellschaftliche Repräsentation bot und insofern einen geradezu prädestinierten Schauplatz für die Fragen nach gesellschaftlichen Funktionen und Potentialen ludisch-agonaler Praktiken darstellt. Dabei sucht die Arbeit vor allem einen Beitrag zu einem besseren Verständnis des Turniers in einer kultur- und geschlechterhistorischen Perspektive leisten, da insbesondere ein geschlechterhistorischer Zugang und die Untersuchung von Maskulinität und Feminität in der Turnierforschung bislang vernachlässigt wurde. Sie erörtert den Faktor Geschlecht im ritualisierten Ablauf des Turniers und in seinen Funktionen, und arbeitet heraus, inwiefern das Turnier gesellschaftliche und geschlechterspezifische Ideale und Normen spiegelte, repräsentierte und festigte und welches performative Potential das Turnier für die Konstruktion und Repräsentation von Geschlecht ausschöpfte.

 

Publikationen

Aufsätze

  • Stratégies de conflit et de communication au XIIe siècle. Les bourgeois de Châteauneuf de Tours contre les chanoines de Saint-Martin, in: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte (erscheint in Band 44, 2017), S. 58–79.
  • Vanina Kopp, mit Constanze Buyken und Guillaume Bureaux: Stadt, Land, Hof. Spiele und Wettkämpfe in der mittelalterlichen Soziabilität (Projekte einer Forschungsgruppe am Deutschen Historischen Institut Paris), in: Mitteilungen der Residenzen-Kommission, Stadt und Hof 4 (2015), S. 17–29.

 

Rezensionen

 

Tagungsberichte

  • (mit Guillaume Bureaux) Prix, Prestige, Splendeur au Moyen Âge, 09.02.2017–10.02.2017 Paris, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, ISSN: 2197-6120 (http://mittelalter.hypotheses.org/10973).

 

Ausstellungsbesprechungen

  • Rennen, Stechen, Lanzen brechen. Ein Besuch der Ausstellung „Kaiser Maximilian I. Der letzte Ritter und das höfische Turnier“, in: Ludite – Ludus, Divertissements, Turniere. Blog der Forschungsgruppe „Spiele und Wettkämpfe in der mittelalterlichen Soziabilität“, ISSN:2496-2295 (2 Teile: https://ludite.hypotheses.org/56 und https://ludite.hypotheses.org/60).

 

Tagungsorganisation

  • „Maskulinität(en) – Feminität(en) im Mittelalter. Masculinité(s) – Féminité(s) au Moyen Âge“, Internationale Tagung am Deutschen Historischen Institut Paris, 02. –04. März 2016 (https://ludite.hypotheses.org/364).
  • „Spiele und Wettkämpfe in mittelalterlichen Gesellschaften – Jeux et compétitions dans les sociétés médiévales“, Internationale Tagung am Deutschen Historischen Institut Paris, 14.–17. Februar 2018 (gemeinsam organisiert mit Vanina Kopp (DHI Paris), Guillaume Bureaux (Université de Rouen), Pierre Monnet (IFRA/SHS Frankfurt))
  • Weitere Veranstaltungen wurden gemeinschaftlich in der Forschungsgruppe „Spiele und Wettkämpfe in der mittelalterlichen Soziabilität“ (DHI Paris) organisiert.

 

Vorträge

  • „Étudier le genre au Moyen Âge – Masculinité(s) et Féminité(s) dans le tournoi chevaleresque (14e-15e siècle)“, Université de Paris 1, Lehreinheit im Seminar für Masterstudierende „Séminaire d’Histoire des femmes et du genre“, 06/03/2017.
  • „Das Turnier als Performance. Kultur und geschlechterhistorische Betrachtungen zu Kampfspielen im späten Mittelalter“, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Forschungskolloquium, 09/11/2016.
  • „Performativität und Geschlecht im Turnier. Konstruktion und Repräsentation von Männlichkeit und Weiblichkeit in Kampfspielen des späten Mittelalters“, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Forschungskolloquium, 08/11/2016.
  • „Ohne Pracht kein Prestige? (Geregelter) Luxus in Turnieren des späten Mittelalters“, Universität zu Köln/A.R.T.E.S. Graduate School Cologne, Tagung „Pracht, Preis, Prestige im Mittelalter“, 04/11/2016.
  • „Staging Configurations of Gender in the Late Medieval Tournament. Representations, Norms, and Cultural Practices between Gender Conformity and Gender Non-Conformity“, International Medieval Congress Leeds (session 729), 05/07/2016.
  • „Defining, Performing, Questioning : Knightliness and Gender in Late Medieval Knightly Conduct Literature and the Tournament“, University of Toronto, 09/05/2016 und 51th International Congress on Medieval Studies Kalamazoo (session 258), 13/05/2016.
  • „Genderperformances im spätmittelalterlichen Turnier“, Deutsches Historisches Institut Paris, Tagung « Maskulinität(en) – Feminität(en) im Mittelalter. Masculinité(s) – Féminité(s) au Moyen Âge », 03/03/2016.
  • „Männlichkeitsnormen und ritterliche Verhaltensideale in den »Livres de Chevalerie« des 14. und 15. Jahrhunderts“, RWTH Aachen, Forschungskolloquium, 01/12/2015.
  • „Performing gender – Spiele und Machtspiele zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit im spätmittelalterlichen Turnier“, Deutsches Historisches Institut Paris, Sommeruni „Spiele und Machtspiele in der Vormoderne“, 24/06/2015.
  • „[...]c’est a saver chevaliers vestus come dames, et josteent ensemble. Geschlechterentwürfe im Turnier“, Ruhr-Universität Bochum, Forschungskolloquium, 10/06/2015
  • „Geschlechterentwürfe im Turnier“, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Forschungskolloquium, 19/05/2015.

 

Weitere Informationen:

https://www.paris-heidelberg.eu/dissertationsprojekt-von-constanze-buyken/

https://www.dhi-paris.fr/forschung/mittelalter/spiele-und-wettkaempfe-in...

http://ludite.hypotheses.org/author/buyken

 

E-Mail

buyken[@]stud.uni-heidelberg.de